Noch 22 Tage

Es ist so weit. Die Wohnung in Selb ist leer und mittlerweile genieße ich meinen Urlaub in Südböhmen. Meine Schwester tobt in der Wasseranlage Lipno und ich liege am Strand und lese den Schneemann von Jo Nesbø und denke daran, dass ich in 22 Tagen im Flugzeug nach Dubai und im Anschluss Richtung Taipei sein werde. Ich mag Strände nicht. Sich im Sand, der nach einer kleinen Weile in jeder Ritze deines Körpers steckt, zu sonnen ist nicht wirklich meine erträumte Art meinen Urlaub zu verbringen. Ich beschwere mich aber nicht. Die Langeweile wechselt sich mit mit verschiedenen Ausglügen zum Beispiel nach Krumau an der Moldau das von Chinesen überrant ist (Es sind wirklich so viele da, aber ich wundere mich nicht – nach Prag ist Krumau die zweitschönste Stadt Tschechiens. Andererseits sollte ich mich auch schon daran gewöhnen), nach Budweis und ins österreichische Linz.

Wenn mich jemand vor einem Jahr Fragen würde ob ich Heimweh haben werde, würde ich wahrscheinlich nein sagen. Jetzt ist es aber anders. Ich kam in eine neue Schule, habe die besten Leute gefunden und nach einem Schuljahr will ich wieder gehen. Ich zweifele überhaupt nicht daran, dass ich wegfliege, aber ich muss daran denken, was sich in einem ganzen Jahr vielleicht verändern kann. Mit dem kommenden Abreisedatum Fragen mich auch viel mehr Leute wie ich dazu gekommen bin und mit welcher Agentur ich hinfliege und wieso überhaupt nach Taiwan. Ich fliege mit keiner Agentur. Habt ihr vielleicht mal von Rotary gehört? Es ist eine internationale Organisation, die sich als Ziel gestellt hat führende Persönlichkeiten zu vereinen, guten Willen zu verbreiten und humanitäre Hilfe da anzubieten, wo sie nötig ist. Nebenbei bietet sie auch einen ziemlich „billigen“ Weg ein Auslandsjahr zu machen.

Seit Kindheit an habe ich sehr oft mit meiner Familie gereist. Ein Auslandsjahr war somit etwas, womit jeder „gerechnet“ hat. Es gab nur die Frage wo und wann. Im Dezember 2015 kam ich über Rotary zu einem zweiwöchigen Schüleraustausch in Taiwan. Ich habe dort Silvester gefeiert und liebe seitdem das Land. Das Essen, die Natur, die Kultur. Jetzt (zwei Jahre später) werde ich dort ein ganzes Jahr verbringen.

Löwe vor Wen-Wu Tempel, 2015

Genauer werde ich in der Stadt Yuanlin, die ungefähr 125.000 Einwohner hat, wohnen und zur Schule gehen. Ich werde zu einer Schule mit dem zungenbrecherischen Namen Guoliyuanlingaojinonggong gehen. Übersetzt heißt der Namen etwas wie Staatliche Berufsschule für Landwirtschaft und Industrie.

Mein Ziel für dieses Jahr ist die Sprache so gut zu lernen wie es in einem Jahr geht und sich in die chinesische Kultur einzuleben. Von Fortschritt werde ich euch natürlich informieren. Bis zum nächsten Mal 👋🏻